Tipps für neue Produktmanager: deine erste Woche

Du hast nur eine einzige Gelegenheit, deinen Kunden mit einem frischen, unverbrauchten Blick zuzuhören – vergeude diese Chance nicht!

Evan Michner Evan Michner
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Dies ist in Bewerbungsgesprächen meine neue Lieblingsfrage an Produktmanager: "Wie würdest du deine erste Arbeitswoche hier verbringen?" Ein paar der Antworten, die ich darauf erhalten habe:

"Ich bemühe mich, so viel wie möglich über die Plattform und Architektur zu lernen."

"Ich werde wahrscheinlich ein paar Meetings mit dem Team einberufen und herausfinden, wer meine Stakeholder sind."

"Ich werde eine Beziehung zu den Entwicklern und Designern aufbauen. Mit ihnen Essen gehen. Ein Bier ausgeben."

"Ich durchforste die Daten. Ich sehe mir an, welche Analysen durchgeführt werden."

"Ich spreche mit den wichtigsten Kunden und frage sie, was sie an dem Produkt besonders schätzen."

Alles gute Antworten! Aber auch wenn ich hiermit allen zukünftigen Bewerbern die Antwort verrate, die wir wirklich hören wollen: Jeder Produktmanager sollte in seiner ersten Woche mit den Benutzern Kontakt aufnehmen und mit ihnen sprechen.

Du hast ein Team von Entwicklern und Designern, die sich der Problemlösung verschrieben haben und von dir erwarten, dass du die Prioritäten für die jeweiligen Probleme festlegst. Sie werden deinen Entscheidungen nicht vertrauen, wenn du lieber über das Technologieportfolio sprichst als mit deinen Benutzern interagierst.

Wenn du keine Zeit hast, mit deinen Benutzern zu sprechen (insbesondere in deiner ersten Woche!), solltest du auch nicht derjenige sein, der die Probleme für dein Team priorisiert.

Versteh mich nicht falsch. Du solltest dir auf jeden Fall Zeit nehmen, Daten und Analysen durchzusehen. Jeder gute Produktmanager trifft seine Entscheidungen auf der Basis von Zahlen. Aber falls du schon eine Weile nicht mehr mit einem tatsächlichen Benutzer gesprochen haben solltest, möchte ich dich vorsichtig an etwas erinnern: Benutzer sind keine Nummern.

Aus Daten kannst du die Anzahl der Benutzer ermitteln, die auf die Schaltfläche geklickt haben. Tests zur Benutzerfreundlichkeit zeigen dir, warum Benutzer Probleme hatten, diese Schaltfläche zu finden. Aber erst in informellen Gesprächen mit den Benutzern wirst du hören, dass sie lieber eine 0800-Nummer statt einer Schaltfläche hätten. Man weiß nie, was man herausfinden wird.

Agiles Produktmanagement | Atlassian Agile Coach

Und natürlich musst du dich in deiner ersten Woche auch mit der Technologie vertraut machen. Sprich mit dem Team über die Grenzen der Plattform und woran sich das Team stört. Lerne die grundlegende Architektur kennen. Aber es ist nicht deine Aufgabe, Code zu schreiben, auch wenn die Versuchung groß ist. Deine Aufgabe ist das Aufspüren der zu lösenden Probleme. Ganz ehrlich: Wenn du Produktmanager bist und schon eine Weile nicht mit den Benutzern gesprochen hast, solltest du deine Jobwahl noch einmal überdenken.

Für einen Produktmanager, der bei einem Unternehmen anfängt, das über umfangreiche Ressourcen für Benutzerfreundlichkeitsstudien verfügt, ist es natürlich super, Interviews hinter einem Spionspiegel zu beobachten. Du kannst von diesen Interviews sehr viel lernen (und auch von den Fragetechniken des Interviewers). Dies sollte dich allerdings nicht davon abhalten, selbst mit den Benutzern zu sprechen. Ein Interview hinter einem Spionspiegel ist kein Ersatz für eine Unterhaltung mit jemandem, der dein Produkt verwendet.

Wenn du also neu im Unternehmen bist, ergreife die Initiative, indem du dich an ein paar Benutzer wendest. Auch an Benutzer, die unzufrieden waren und abgewandert sind. Eigentlich sogar ganz besonders an diese Benutzer.

Du wirst nicht nur einiges über das Produkt und die Benutzer erfahren – vielleicht wirst du auch zu jenem einen Berührungspunkt, der entscheidend ist, damit die Benutzer dem Produkt treu bleiben. Betrachte es als die günstigste Investition in die Kundenzufriedenheit, die du tätigen kannst.

Denke daran: Du hast nur eine einzige Chance, die Situation mit einem unverbrauchten Blick zu betrachten. Nutze sie sinnvoll, und bemühe dich, einen Einblick in die Köpfe der Benutzer zu erhalten.

Viel Erfolg in deiner ersten Arbeitswoche!

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