Scrum-Rollen und die Wahrheit über Positionsbezeichnungen in Scrum

Hier erfährst du, weshalb die drei Scrum-Rollen (Scrum Master, Produktinhaber und Entwicklerteam) nur die Hauptzuständigkeiten widerspiegeln und nicht als Positionsbezeichnungen zu verstehen sind.

Dave West Dave West
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Welche drei Rollen gibt es bei Scrum?

Bei Scrum gibt es drei Rollen: den Produktinhaber, den Scrum Master und die Mitglieder des Entwicklerteams. So weit, so gut. Häufig stellt sich allerdings die Frage, was mit den bisherigen Positionsbezeichnungen geschehen soll. Viele Teams möchten wissen, ob sie ihre Positionsbezeichnungen ändern müssen, wenn sie Scrum einführen. Die kurze Antwort: Nein.

In diesem Artikel definieren wir die Scrum-Rollen und erklären, wie du sie in deinem Unternehmen einführen kannst, ohne neue Visitenkarten drucken zu müssen.

Scrum-Rollen vs. Positionsbezeichnungen

Aus den drei Scrum-Rollen gehen die wichtigsten Zuständigkeiten der Mitglieder des Scrum-Teams hervor. Es handelt sich dabei nicht um Positionsbezeichnungen. Die Rollen können von Personen mit einer beliebigen (ggf. bereits vorhandenen) Positionsbezeichnung übernommen werden. Da Scrum auf Erkenntnissen, Selbstorganisation und kontinuierlichen Verbesserungen basiert, sind die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten der drei Rollen nur so weit definiert, wie es für eine effektive Arbeit im Team notwendig ist. So können die Teams selbst bestimmen, wie sie sich organisieren und immer weiter verbessern.

Aufbau eines Scrum-Teams

Scrum gibt den Rahmen vor, in dem Teams ihre Prozesse entwickeln können. Das Framework bestimmt die grundlegende Struktur für regelmäßige Meetings, Artefakte und Zuständigkeiten.

Scrum liefert jedoch kein Universalmodell für alle Teams. Wenn das Team beispielsweise an einer Web-App für Versicherungen arbeitet, müssen ihm Personen angehören, die sich mit der Technologie, den Back-End-Systemen und dem Geschäftsbereich auskennen. Entwickelt das Team dagegen gerade die neueste Version von Donkey Kong, sind ganz andere Kompetenzen gefragt. Erforderlich wären dann unter anderem ein Grafikdesigner, ein Tontechniker und ein Grafikentwickler. Da die Aufgaben- und Problemstellungen unterschiedlich sind, müssen auch die Teamstrukturen und die im Team vorhandenen Kompetenzen unterschiedlich sein.

Je komplexer die Problemstellung, umso schwieriger ist es, ein passendes Team zusammenzustellen. Wie es so schön heißt: "Du weißt nicht, was du nicht weißt, bis du weißt, dass du es nicht weißt". Unter Umständen wissen Teams vorab noch nicht, welche Kompetenzen benötigt werden oder wie viel Arbeit anfällt. Daher müssen sie flexibel genug sein, um bei neuen Erkenntnissen einen anderen Kurs einzuschlagen.

Um diese komplexen, sich ständig verändernden und oft frustrierenden Zusammenhänge ein wenig zu strukturieren, gibt Scrum zur groben Orientierung die drei Rollen "Mitglied des Entwicklerteams", "Produktinhaber" und "Scrum Master" vor.

Das Entwicklerteam: eine neue Definition von "Entwickler"

Zum Entwicklerteam gehören die Mitarbeiter, die die eigentliche Arbeit verrichten. Man könnte denken, das Entwicklerteam müsste aus Entwicklern bestehen, aber das ist nicht immer der Fall. Laut Scrum Guide kann sich dieses Team aus Personen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund zusammensetzen. Beispielsweise können Designer, Texter und Programmierer dazugehören.

Es ist ähnlich wie beim Bau eines Hauses, mit dem du einen Bauunternehmer beauftragst. Dieser setzt das Projekt auf und führt die Arbeiten aus, aber auch wenn er Maurerarbeiten übernimmt, Rohrleitungen verlegt oder auch Löcher aushebt, bleibt er doch Bauunternehmer. Ebenso bezeichnet die Rolle des "Entwicklers" bei Scrum ein Teammitglied, das über die richtigen Kompetenzen für die entsprechende Aufgabe verfügt.

Ein Diagramm, das die Zuständigkeiten des Entwicklerteams zeigt: Selbstorganisation, Design, Entwicklung, UX, Tests, Deployment

Das Entwicklerteam sollte in der Lage sein, sich selbst zu organisieren und Entscheidungen über die eigenen Aufgaben zu treffen. In dieser Hinsicht ähnelt das Entwicklerteam einem Supportteam in der Produktion, das mitten in der Nacht einberufen wird, weil ein Problem aufgetreten ist. Auch das Entwicklerteam kann Entscheidungen treffen und eine Lösung/einen Mehrwert für das vorliegende Problem liefern. Bei der Selbstorganisation geht es nicht darum, gegen das Unternehmen zu handeln, sondern darum, den der Aufgabe am nächsten stehenden Mitarbeitern die nötigen Mittel zum Lösen eines Problems an die Hand zu geben.

Zu den Zuständigkeiten des Entwicklerteams zählen:

  • Ausführung der Aufgaben im Verlauf des Sprints
  • Um während des Sprints Transparenz zu gewährleisten, kommt das Team täglich beim Daily Scrum (manchmal auch als Stand-up-Meeting bezeichnet) zusammen. Der Daily Scrum bietet Einblick in die laufenden Arbeiten. Außerdem können die Teammitglieder dort um Hilfe bitten, Erfolge teilen und Probleme oder Blocker ansprechen. Der Scrum Master kann den Daily Scrum moderieren, aber letztlich ist das Entwicklerteam für das Abhalten des Meetings zuständig. Das Meeting soll ihnen als Gruppe helfen, ihre Aufgaben zu untersuchen und anzupassen, um effektiver arbeiten zu können.

Der Produktinhaber: eine richtungsweisende Aufgabe

Agile-Teams sind von Grund auf flexibel und reaktionsstark. Der Produktinhaber sorgt dafür, dass das Team den größtmöglichen Mehrwert schafft. Er repräsentiert das Unternehmen und teilt dem Entwicklerteam mit, was geliefert werden soll. Ein stabiles Vertrauensverhältnis zwischen diesen beiden Rollen ist unverzichtbar.

Der Produktinhaber muss nicht nur die Kunden kennen, sondern auch eine Vorstellung davon haben, welchen Mehrwert das Scrum-Team den Kunden bieten soll. Außerdem muss er die Anforderungen anderer Stakeholder aus dem Unternehmen berücksichtigen.

Auf der Grundlage all dieser Anhaltspunkte priorisiert der Produktinhaber die Arbeit. Dies ist seine wahrscheinlich wichtigste Aufgabe, weil widersprüchliche Prioritäten und unklare Anweisungen die Effektivität des Teams beeinträchtigen und eine Gefahr für die wichtige Vertrauensbeziehung zwischen den Geschäftsbereichen und dem Entwicklerteam darstellen.

Agile-Teams sind auf ständige Prüfungen und Anpassungen ausgelegt. Veränderte Prioritäten können daher massive Änderungen an der Teamstruktur, den Arbeitsprodukten und dem Endergebnis nach sich ziehen. Aus diesem Grund ist es für den Erfolg von Scrum-Teams entscheidend, dass nur eine einzige Person über die Prioritäten entscheidet, nämlich der Produktinhaber.

Laut Scrum Guide ist der Produktinhaber für Folgendes zuständig:

  • Management des Scrum-Backlogs: Dies bedeutet nicht, dass nur der Produktinhaber neue Elemente aus dem Produkt-Backlog im Scrum-Backlog eintragen darf. Letztlich ist er aber verantwortlich für das Backlog, auf das sich das Entwicklerteam bei seiner Arbeit stützt. Der Produktinhaber sollte also über alle Aufgaben im Backlog informiert sein. Wenn andere Personen dem Produkt-Backlog Elemente hinzufügen, müssen sie sich mit dem Produktinhaber absprechen.
  • Release-Management: Der Sprint ist kein Release-Zyklus, sondern ein Planungszyklus. Scrum-Teams können also jederzeit ausliefern. Ideal sind häufige Auslieferungen im Verlauf des Sprints, damit im Sprint-Review die tatsächliche Kundennutzung und Feedback überprüft werden können. Continuous Delivery ist aber nicht immer möglich, und manchmal müssen andere Release-Modelle genutzt werden. Der Produktinhaber muss wissen, wann Releases veröffentlicht werden können und sollten.
  • Stakeholder-Management: Bei jedem Produkt gibt es zahlreiche Stakeholder wie Benutzer, Kunden, Unternehmensführung und leitende Angestellte. Der Produktinhaber muss mit allen diesen Personen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass das Entwicklerteam tatsächlich einen Mehrwert schafft. Der Aufwand für das Management der Stakeholder und die Kommunikation mit ihnen kann sehr hoch sein.
Ein Diagramm, das die Zuständigkeiten des Produktinhabers zeit: Verwaltung des Produkt-Backlogs, Release-Management, Stakeholder-Management

Der Scrum Master: Er hält alle Fäden in der Hand

Der Scrum Master ist die Rolle, die alles zusammenhält und dafür sorgt, dass Scrum richtig umgesetzt wird. In der Praxis bedeutet dies, dass der Scrum Master den Produktinhaber beim Definieren des Mehrwerts, das Entwicklerteam beim Schaffen des Mehrwerts und das Scrum-Team bei seiner fortlaufenden Verbesserung unterstützt. Der Scrum Master ist ein "Servant Leader" – nicht nur auf seinen unterstützenden Führungsstil bezogen, sondern auch auf seine alltäglichen Aufgaben.

Der Scrum Master "dient" dem Produktinhaber, indem er ihm hilft, den Mehrwert besser zu verstehen und zu kommunizieren, das Backlog zu verwalten sowie die Aufgaben im Team zu planen und zu verteilen, um die höchstmögliche Effektivität zu erzielen. Als "Diener" des Entwicklerteams unterstützt der Scrum Master das Team dabei, sich selbst zu organisieren, sich auf die Ergebnisse zu konzentrieren, Inkremente abzuarbeiten und Blocker unter Kontrolle zu halten. Auch dem Unternehmen als Ganzes "dient" der Scrum Master, indem er vermittelt, was Scrum ist, und eine für Scrum vorteilhafte Umgebung schafft.

Ein Diagramm, das die Zuständigkeiten des Scrum Masters zeigt: Transparenz, Erkenntnisorientierung, Selbstorganisation, Scrum-Werte, Schutz des Teams, Entfernen von Blockern

Der Scrum Master konzentriert sich auf Folgendes:

  • Transparenz: Für eine effektive Überprüfung und Anpassung ist es wichtig, dass die richtigen Personen sehen können, was gerade geschieht. Das ist tatsächlich viel schwieriger, als es aussieht. Der Scrum Master muss dafür sorgen, dass das Scrum-Team auf transparente Weise arbeitet. Beispiele dafür sind die Erstellung von Story Maps und die Aktualisierung von Confluence-Seiten mit den Ideen aus der Retrospektive.
  • Empirismus: Grundlegend für Scrum- und Agile-Ansätze ist die Idee, dass die beste Art der Planung darin besteht, Aufgaben zu erledigen und daraus zu lernen. Ein empirisches Vorgehen ist nicht einfach. Der Scrum Master muss das Scrum-Team zur Aufschlüsselung der Arbeit coachen, klare Ergebnisse beschreiben und diese Ergebnisse überprüfen.
  • Selbstorganisation: Es genügt nicht, einem Entwicklerteam einfach zu sagen, dass es sich selbst organisieren soll. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation muss sich mit der Zeit entwickeln. Gerade zu Anfang sind Hilfe und Unterstützung nötig. Der Scrum Master muss die Teammitglieder ermutigen, ihre Komfortzone zu verlassen und verschiedene Dinge auszuprobieren. Mit Praktiken wie "Delegationspoker" können sie die althergebrachten Vorstellungen von Rollengrenzen und Zuständigkeiten aufdecken und infrage stellen.
  • Werte: Scrum definiert die fünf Werte Mut, Fokus, Engagement, Respekt und Offenheit nicht als "Nice to Have", sondern weil sie ein Umfeld der physiologischen Sicherheit und des Vertrauens schaffen. Dieses Umfeld ist notwendig, damit Agilität gedeihen kann. Die Einhaltung der Werte liegt in der Verantwortung aller Mitglieder des Scrum-Teams, aber der Scrum Master muss die Bedeutung dieser Werte aktiv vermitteln und ihre Einhaltung fördern.

Der Scrum Master unterstützt den Produktinhaber bei der Sprint-Planung und bei Sprint-Reviews, indem er darauf achtet, dass der Mehrwert klar beschrieben und eine eindeutige Richtung vorgegeben wird. Er unterstützt das Entwicklerteam beim Daily Scrum, indem er dafür sorgt, dass Aufgaben erledigt und Blocker beseitigt werden. Für Blocker, die das Team nicht selbst ausräumen kann, übernimmt er die Verantwortung. Der Scrum Master stellt sicher, dass das Scrum-Team Verbesserungsmöglichkeiten erkennt und dass bei der Retrospektive klare Ergebnisse als Grundlage für weiterführende Maßnahmen entstehen.

Erste Schritte mit Agile-Scrum-Rollen

Die drei Scrum-Rollen beschreiben die drei wichtigsten Verantwortungsbereiche für jedes Scrum-Team auf relativ einfache Weise, sind aber oft nur schwer mit der eigenen Stellenbezeichnung in Einklang zu bringen. Orientiere dich zu Beginn an Folgendem:

  • Wenn du gut darin bist, einen Nutzen für Kunden zu schaffen, und dies auch gerne tun, solltest du Mitglied des Scrum-Entwicklerteams sein. Dieses Team bildet das wichtigste Element eines agilen Unternehmens, da es einen tatsächlichen Mehrwert für Kunden und Stakeholder erzielt. Das bedeutet, dass deine Position in der Hierarchie davon abhängt, wie viel Mehrwert du selbst schaffst oder wie sehr du andere dabei unterstützt.
  • Wenn du dich leidenschaftlich für Kunden, das Stakeholder-Management und das Geschäft interessierst, wäre die Rolle des Produktinhabers am besten für dich geeignet. In den meisten Unternehmen muss diese Person den Respekt und das Vertrauen des Unternehmens besitzen, um Entscheidungen treffen zu können. Die Rolle erfordert auch ein gewisses Maß an politischem Geschick, weil du Kompromisse aushandeln und alle zufriedenstellen musst.
  • Wenn du Teams bei der effektiven Zusammenarbeit helfen und die Welt mit Scrum und Agile verändern möchtest, ist die Scrum Master-Rolle genau das Richtige für dich – eine sehr menschenzentrierte Rolle mit einem starken Schwerpunkt auf Coaching, Lehre und Moderation.
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