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5 Entscheidungsmodelle, die du ausprobieren solltest, wenn du einmal nicht weiterkommst

Hüte dich vor Vorurteilen, die zu schlechten Entscheidungen führen können

Kristallkugel

Entscheidungen, Entscheidungen. Einigen Schätzungen zufolge treffen wir jeden Tag 35.000 bewusste Entscheidungen.

Diese Zahl könnte wegen zunehmender flacherer Organisationsstrukturen sogar noch steigen und die Entscheidungsfindung auf diese Weise dezentralisieren. Anstatt nur den obersten Führungskräften alle Entscheidungen zu überlassen, haben die Mitarbeiter aller Unternehmensebenen mehr Mitspracherecht, sodass Entscheidungen häufiger in Zusammenarbeit getroffen werden.

All dies bedeutet, dass gute Entscheidungsfähigkeiten wichtiger als jemals zuvor sind. Es ist aber gar nicht so einfach, qualitativ hochwertige und effiziente Entscheidungen zu treffen. Schon bei einer gemeinsamen Bestellung von Mittagessen kannst du diese Schwierigkeiten beobachten.

Aber was wäre, wenn du ein Toolkit hättest, das dir dabei hilft, bessere und schnellere Entscheidungen zu treffen? Und wir reden nicht über das Befragen einer magischen Glaskugel oder das Werfen einer Münze. Diese Tools werden als Entscheidungsmodelle bezeichnet. Von diesen Modellen gibt es mehrere, aber keines davon funktioniert zu 100 %. Je nach Situation solltest du auf unterschiedliche Modelle zurückgreifen.

Du solltest dich aber nicht nur mit Entscheidungsmodellen vertraut machen, sondern auch mit den Vorurteilen, die zu schlechten Entscheidungen führen können. Wenn du dich also entschieden hast, tiefer in dieses Thema einzusteigen, werden wir jetzt damit anfangen.

Entscheidungsmodelle

Rationales Entscheidungsmodell

Musst du eine komplexe, mit einem hohen Risiko verbundene Entscheidung treffen? Triffst du diese Entscheidung gemeinsam mit anderen? Kommen bei verschiedenen Optionen starke Emotionen ins Spiel? Und hast du Zeit für ausführliche Überlegungen und Recherchen?

Dann solltest du vielleicht ein rationales Modell für die Entscheidungsfindung in Betracht ziehen. Dieses weist sechs Schritte auf:

  1. DEFINIEREN DES PROBLEMS
  2. Identifiziere Kriterien, nach denen du mögliche Lösungen beurteilen wirst.
  3. Entscheide, wie wichtig jedes Kriterium ist.
  4. Erstelle eine Liste mit möglichen Alternativen.
  5. Bewerte diese Alternativen.
  6. Entscheide dich für die beste Lösung.

(In einigen Quellen sind weitere Schritte angegeben, wie "Teste deine Lösung", bevor du sie vollständig implementierst.)

Das rationale Modell steuert vielen Faktoren wie fehlerhaften Annahmen entgegen, die uns schlechte Entscheidungen treffen lassen. Es kann das Risiko und die Unsicherheit minimieren. Du kannst dieses Modell außerdem allein oder als Mitglied eines Teams nutzen.

Es ist jedoch nicht das beste Modell, wenn du unter Zeitdruck oder unter sich schnell ändernden Bedingungen arbeitest. Denke auch daran, dass du nicht immer alle Informationen verfügbar hast, die du für die Verwendung dieses Modells benötigst. Und wenn doch, ist es für manche Entscheidungen nicht immer effizient oder notwendig, den gesamten Prozess zu durchlaufen.

Auf der begrenzten Rationalität basierendes Entscheidungsmodell

Damit kommen wir auf das Modell zu sprechen, das auf der begrenzten Rationalität basiert. Du hast vielleicht schon davon gehört, dass man es auch als Satisficing-Modell bezeichnet. Anstatt rigoros nach der bestmöglichen Entscheidung zu suchen, möchte man hierbei eine "möglichst gute" Entscheidung treffen.

Du kannst die begrenzte Rationalität nutzen, wenn du nicht genug Zeit oder Informationen hast, um dich komplett an das rationale Entscheidungsmodell zu halten. Manchmal ist es besser, früher eine ausreichend gute Entscheidung zu treffen als eine "perfekte", die länger dauert. Dafür werden zudem weniger geistige Energie und andere Ressourcen verbraucht.

Um dir mit all diesen zu verarbeitenden Informationen und allen Entscheidungen zu helfen, die du pro Tag treffen musst, nimmt dein Gehirn gerne mal eine Abkürzung.

Vroom-Yetton-Entscheidungsmodell

Es gibt keinen idealen Prozess, um Entscheidungen zu treffen. Der beste Prozess ist aber der, der je nach Situation geändert werden kann.

Diese Idee ist Grundlage für das Vroom-Yetton-Entscheidungsmodell (auch bekannt als Vroom-Yetton-Jago). Der erste Teil dieses Modells besteht aus sieben Ja/Nein-Fragen. Hier ein Beispiel: "Ist es wichtig, dass sich das Team der Entscheidung verpflichtet fühlt?"

Deine Antworten auf diese Fragen führen dich dann zu einem von fünf anwendbaren Entscheidungsprozessen. Die Optionen sind breit gefächert und du kannst beispielsweise eine Entscheidung basierend auf deinem aktuellen Kenntnisstand und ohne Rücksprache mit deinem Team treffen, oder du triffst sie auf Basis eines Gruppenkonsenses mit deinem Team.

Die Flexibilität des Vroom-Yetton-Modells ist eine seiner Stärken. Jeder kann es nutzen, egal, auf welcher Unternehmensebene er steht. Es funktioniert sogar, wenn du dich in einer ungewohnten Situation befindest. Jedoch berücksichtigt es keine persönlichen Faktoren des Entscheidungsträgers, die Fragen sind für einige Situationen eventuell nicht präzise genug und es funktioniert unter Umständen nicht so gut für größere Gruppen.

Intuitives Entscheidungsmodell

Möglicherweise überrascht es dich, dass du selbst bei intuitiven oder instinktiven Entscheidungen einem Entscheidungsmodell folgst. Intuitive Entscheidungen werden fast sofort gefällt. Das heißt aber nicht, dass sie dir einfach in den Sinn kommen. Dein Gehirn führt tatsächlich eine blitzschnelle Mustererkennung durch. Es überprüft alles, was du bisher aus ähnlichen Situationen gelernt hast, um eine Entscheidung in deiner aktuellen Situation zu treffen.

Forscher haben herausgefunden, dass ein intuitives Entscheidungsmodell vor allem in den Bereichen gute Ergebnisse liefert, in denen du über viel Fachwissen oder Erfahrung verfügst. Sich auf das Bauchgefühl zu verlassen ist aber weniger effektiv und effizient, wenn du dich in einer ungewohnten Situation befindest, wie einem neuen Job. Das liegt daran, dass dir noch die Erfahrung fehlt, um Muster schnell zu erkennen.

Nur kurz am Rande: Manchmal ist eine Entscheidung, die unserer Meinung nach rational und logisch ist, tatsächlich viel intuitiver als gedacht. Wenn du weitere Optionen in Betracht gezogen hast, aber dann auf deine ursprüngliche Entscheidung zurückgekommen bist, hast du vielleicht das retrospektive Entscheidungsmodell verwendet.

Auf Anerkennung basierendes Entscheidungsmodell

Das auf Anerkennung basierende Modell hat viel mit dem intuitiven Modell gemeinsam. Und so funktioniert's:

  1. Entscheidungsträger erkennen ein Muster in den verfügbaren Informationen.
  2. Sie entscheiden sich für eine Vorgehensweise und gehen das "Handlungsskript" im Kopf durch.
  3. Wenn das Handlungsskript die gewünschte Wirkung zu zeigen scheint, gehen die Entscheidungsträger einen Schritt weiter. Wenn es nicht zu funktionieren scheint, optimieren die Entscheidungsträger entweder das Skript oder verwerfen es und beginnen von vorne.

Wie das intuitive Modell funktioniert das auf Anerkennung basierende Modell am besten in Situationen, in denen du auf umfangreiche Erfahrungen oder Fachkenntnisse zurückgreifen kannst. Es ist vor allem dann besonders praktisch, wenn du unter Zeitdruck stehst.

Typische Vorurteile bei der Entscheidungsfindung

Nachdem du einige Entscheidungsmodelle kennengelernt hast, sollte die Entscheidung ein Kinderspiel sein, oder? Na ja, nicht unbedingt. Um dir bei der Verarbeitung all dieser Informationen und bei den Entscheidungen zu helfen, die du jeden Tag treffen musst, nimmt dein Gehirn gerne mal den kürzeren Weg. Manchmal sind diese Abkürzungen nützlich, sie können aber auch zu wirklich schlechten Entscheidungen führen.

Mache dir diese typische Voreingenommenheit bewusst, wenn du eine Entscheidung triffst. Allein zu wissen, dass es sie gibt und dass du dafür anfällig sein kannst, kann dir dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Bestätigungsverzerrung

Bestätigungsverzerrung bedeutet, dass du auf Beweise achtest, die deine Überzeugungen bestätigen, und alle ignorierst, die das nicht tun. Nehmen wir einmal an, du hilfst jemandem dabei, eine neue Position in deinem Unternehmen zu besetzen. Mittlerweile stehen nur noch zwei Kandidaten zur Auswahl. Basierend auf den Lebensläufen ziehst du Kandidat B gegenüber Kandidat A vor. Du willst dich aber noch nicht festlegen.

Oder doch? Während deines Vorstellungsgesprächs könntest du aufgrund der Bestätigungsverzerrung stärker auf alles achten, was Kandidat B als beste Wahl für die Rolle bestätigt. Mögliche Warnsignale übersiehst du dabei. Im Vorstellungsgespräch mit Kandidat A übergehst du die Antworten, die ihn als bessere Wahl ausweisen würden, und greifst dabei alle Informationen auf, die als negativ gewertet werden könnten.

Die Bestätigungsverzerrung veranlasst uns, nach Informationen zu suchen, die unsere bestehenden Ansichten stützen. Sie spornt uns aber auch an, Informationen auf eine Weise zu interpretieren, damit sie uns am Ende recht geben. Wegen der Bestätigungsverzerrung könnten zwei Personen mit unterschiedlichen Ansichten verschiedene Schlussfolgerungen aus denselben Statistiken ziehen.

Um deine Bestätigungsverzerrung zu überlisten, solltest du mit Personen sprechen und Informationsquellen nutzen, die deine Ansichten in Frage stellen. Auch wenn du dir bereits sicher bist, dass deine weitere Vorgehensweise sich auf Beweise stützt. Du wirst überrascht sein, dass nicht alles so eindeutig ist.

Verfügbarkeitsheuristik

Die Verfügbarkeitsheuristik lässt uns Entscheidungen auf der Basis treffen, wie leicht uns etwas in den Sinn kommt. Wenn deine Freundin beispielsweise gerade von einer größeren Verspätung bei einer bestimmten Fluggesellschaft betroffen war, könnte die Verfügbarkeitsheuristik dazu führen, dass du diese Fluggesellschaft für deine bevorstehende Geschäftsreise meidest. Und das, obwohl sie tatsächlich eine bessere Pünktlichkeitsbilanz als die Gesellschaft hat, für die du dich letztendlich entscheidest. Weil du dich schnell an die Erfahrung deiner Freundin erinnern kannst, überschätzt du die Wahrscheinlichkeit für zukünftige Verspätungen bei dieser Fluggesellschaft.

Die Verfügbarkeitsheuristik kann uns wirklich aufs Glatteis führen, weil sich unsere Gedanken real anfühlen. Du wirst aber bessere Entscheidungen treffen, wenn du einen Moment innehältst, deine Entscheidungen anzweifelst und stattdessen nach Informationen suchst, die deine Sichtweise tatsächlich bestätigen.

Überlebensverzerrung

Die Überlebensverzerrung bringt uns dazu, Entscheidungen nur anhand von Erfolgsbeispielen zu treffen. Dabei wird davon ausgegangen, dass wir sämtliche Einzelheiten kennen.

Ein typisches Beispiel für die Überlebensverzerrung ist die Verwendung von Erfolgsgeschichten anderer Unternehmen, um die Vorgehensweise des eigenen Unternehmens zu bestimmen. Natürlich kann Unternehmen A mit einer bestimmten Strategie besonders erfolgreich gewesen sein, auf die jeder ein Loblied singt. Wovon wir aber weniger hören, ist die Tatsache, dass dieselbe Strategie bei den Unternehmen B, C und D zur Geschäftsaufgabe geführt hat.

Um Überlebensverzerrung zu vermeiden, musst du dich darin üben, skeptischer zu sein. Bevor du eine auf Erfolgsgeschichten basierende Entscheidung triffst, musst du dich fragen, ob diese Geschichten nur die "Überlebenden" berücksichtigen.

Die Bestätigungsverzerrung veranlasst uns, nach Informationen zu suchen, die unsere bestehenden Ansichten stützen.

Ankerverzerrung

Die Ankerverzerrung bewirkt, dass wir erste Teilinformationen verwenden, um nachfolgende Urteile zu fällen. Zum Beispiel legt das anfängliche Preisangebot den Verlauf einer Verhandlung fest. Es reicht aber völlig aus, wenn du an einem völlig willkürlichen und zufälligen kognitiven Anker festhältst, um deine Entscheidungen zu beeinflussen. In einer Studie sollten die Teilnehmer an einer Art Roulette-Rad drehen und anschließend schätzen, wie viel Prozent UN-Mitgliedsländer in Afrika sind. Diejenigen, die bei einer hohen Zahl gelandet waren, vermuteten höhere Prozentsätze.

Die Ankerverzerrung ist ein weiterer guter Grund, um deinen Entscheidungsfindungsprozess zu verlangsamen, wenn dies möglich ist. Wenn dir bewusst ist, wie anfällig Menschen für diese Art der Verzerrung sind, kannst du auch besser erkennen, wann du zusätzliche Informationen benötigst.

Halo-Effekt

Wir alle wissen, dass der erste Eindruck zählt, und übersehen dabei oft, wie stark er auf uns wirkt. Wir glauben, dass wir einen Auftragnehmer engagieren, weil er intelligent und organisiert ist. Wir könnten aber auch nur diesen Eindruck haben, weil er groß ist oder einen festen Händedruck hat.

Das ist ein typisches Beispiel für einen Halo-Effekt. Er funktioniert übrigens auch umgekehrt. Wenn dir jemand bei einer Networking-Veranstaltung Wein auf die Kleidung schüttet, wirst du später wahrscheinlich von den Ideen dieser Person weniger halten.

Achte darauf, dass sich dein Gehirn nicht aus Bequemlichkeit zu sehr vom Halo-Effekt beeinflussen lässt. Wenn du eine Entscheidung triffst, solltest du dich fragen, ob diese auf einen ersten Eindruck gestützt ist. Welche zusätzlichen Beweise hast du noch, um bei diesem Eindruck zu bleiben oder ihn anzuzweifeln?

Brauchst du weitere Instrumente für die Entscheidungsfindung?

Bevor wir zum Schluss kommen, möchten wir dich auf ein paar weitere Ressourcen hinweisen, die dir bei gemeinsamen Entscheidungen helfen können.

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