Eine Vertrauenskultur schaffen
Die Teamkultur zeigt sich nicht nur in Besprechungen oder Nachrichten. Nutze diese Übung, um die Werte, Gewohnheiten und unausgesprochenen Regeln deines Teams herauszufinden, damit du mehr Vertrauen, Klarheit und Zusammenhalt schaffen kannst.
VORBEREITUNGSZEIT
30 Min.
LAUFZEIT
90 Min.
Teilnehmer
3–10
Kurzzusammenfassung
- Reflektiere darüber, was in deiner Teamkultur sichtbar und was verborgen ist.
- Verwende eine einfache Übung mit einem Teamkultur-Eisberg, um Annahmen, Gewohnheiten und unausgesprochene Regeln aufzudecken.
- Unternimm konkrete Schritte, um das Vertrauen und den Zusammenhalt gemeinsam zu stärken.
DAS BRAUCHST DU
- Physisches oder digitales Whiteboard, z. B. ein Confluence-Whiteboard
- Notizzettel und Marker für Präsenzmeetings
- Freigegebenes Dokument, z. B. eine Confluence-Seite
- Timer (optional)
SPIEL-Ressourcen
Wie man eine Vertrauenskultur im Team schafft
Entdecke, was die Arbeitsweise deines Teams prägt, und schaffe Vertrauen, damit ihr gemeinsam eure beste Leistung erbringen könnt.
Was ist eine Vertrauenskultur im Team?
Eine Vertrauenskultur ist ein Teamumfeld, in dem die Menschen von guten Absichten ausgehen, ohne Angst ihre Meinung sagen, Fehler machen und sich darauf verlassen können, dass die anderen zu ihren Entscheidungen stehen. In einer Vertrauenskultur kann jeder seine Energie darauf konzentrieren, gemeinsam großartige Arbeit zu leisten.
Wenn ein Team eine ausgeprägte Vertrauenskultur hat, bedeutet das in der Praxis:
- Die Teammitglieder gehen davon aus, dass die anderen in guter Absicht handeln und nicht versuchen, sie bloßzustellen, zu hintergehen oder bei Fehlern zu ertappen.
- Es besteht psychologische Sicherheit. Teamkollegen können Fragen stellen, Fehler eingestehen und Bedenken äußern, ohne Vorwürfe oder Vergeltung befürchten zu müssen.
- Es herrscht Verlässlichkeit. Die Mitarbeiter stehen zu ihrem Wort (oder korrigieren proaktiv die Erwartungen), was das Vertrauen im Laufe der Zeit stärkt.
- Es besteht gegenseitiger Respekt und Wertschätzung. Die Teamkollegen respektieren die Kompetenz der anderen und schätzen sie als Menschen, nicht nur als "Ressourcen".
- Ehrliches Feedback, Meinungsverschiedenheiten und schlechte Nachrichten werden als wichtige Bestandteile guter Arbeit begrüßt und nicht als persönliche Angriffe aufgefasst.
Wie schafft man eine Vertrauenskultur?
Vertrauen beginnt damit, dass man anderen gute Absichten unterstellt und sich zu Wort meldet, wenn etwas nicht stimmt. Sprich die Erwartungen klar aus: Wer entscheidet, wer macht was bis wann und wie sieht ein "gutes" Ergebnis aus. Dann werden die Aufgaben ausgeführt oder schnell Anpassungen vorgenommen, wenn sich die Pläne ändern. In einer Vertrauenskultur gehen die Teammitglieder offen damit um, wie Entscheidungen getroffen werden, welche Kompromisse dahinterstehen und wie der Erfolg gemessen wird, damit alle am gleichen Strang ziehen.
Einander zu vertrauen, bedeutet nicht, dass man immer einer Meinung ist. Meinungsverschiedenheiten sind sogar willkommen. Eine Vertrauenskultur bedeutet, dass Teammitglieder auch einmal anderer Meinung sein können und sich sicher fühlen, auf Risiken oder Bedenken hinzuweisen. Sie reagieren mit Neugier, nicht mit Vorwürfen. Wenn das Vertrauen ins Wanken gerät, stellen sie es schnell wieder her – mit einer deutlichen Entschuldigung und konkreten nächsten Schritten.
Wann solltest du dieses Spiel durchführen?
Setze dieses Spiel ein, wenn:
- Du ein neues Team oder Projekt startest und mit klaren kulturellen Erwartungen beginnen möchtest.
- Dein Team eine Veränderung durchmacht, sei es durch die Aufnahme neuer Mitglieder oder eines neuen Leiters, durch eine Umstrukturierung oder durch eine Strategieänderung.
- Du Spannungen, Unsicherheit oder mangelndes Vertrauen spürst, aber nicht genau sagen kannst, woran es liegt.
- Du die Teamregeln oder Arbeitsvereinbarungen aktualisieren möchtest und dabei mehr Input brauchst.
Du eine große Initiative rund um die Mitarbeitererfahrung, DEI oder Arbeitsweisen durchführst und eine konkrete Maßnahme suchst, um die Diskussion zu verankern.
Dieses Spiel ist besonders nützlich, wenn dein Team bereits lange genug zusammenarbeitet, um über gemeinsame Erfahrungen nachdenken zu können, aber sich ungünstige Verhaltensmuster noch nicht zu sehr verfestigt haben.
5 Vorteile der Schaffung einer Vertrauenskultur
- Größere psychologische Sicherheit: Die Mitarbeiter trauen sich eher, ihre Meinung zu sagen, Ideen einzubringen und Fehler zuzugeben, was mit besseren Erkenntnissen und einer höheren Leistungsfähigkeit einhergeht. (Duhigg, 2016)
- Klarere Erwartungen und Normen: Du verbesserst die Klarheit über die Arbeitsweise und sorgst so für eine effizientere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Rollen, Abteilungen und Zeitzonen.
- Stärkere Ausrichtung auf Werte und Verhaltensweisen: Indem du benennst, was am wichtigsten ist, kannst du Rituale, Feedback und Anerkennung gestalten, die deine gewünschte Kultur stärken.
- Frühere Erkennung von Risiken und Problemen: Wenn das Vertrauen groß ist, äußern die Mitarbeiter ihre Bedenken früher, sodass du reagieren kannst, bevor Probleme eskalieren.
- Resilientere, besser vernetzte Teams: Teams, die regelmäßig über Kultur sprechen, können sich besser an Veränderungen anpassen, sich gegenseitig unterstützen und ihre Leistung langfristig aufrechterhalten. (Hartnell et al., 2019; Schein, 1984)
1. Das Spiel vorbereiten
Geschätzte Dauer: 5 Min.
Zuerst bereiten wir die Hilfsmittel vor und legen die Erwartungen fest, wie dein Team die gemeinsame Zeit nutzen wird.
Reserviere im Kalender 60 Minuten mit deinen Teamkollegen. Gib das Ziel der Besprechung in der Einladung an (nämlich das Vertrauen zu stärken, indem ihr herausfindet, was in eurer Teamkultur sichtbar ist und was unter der Oberfläche liegt) und füge eine Tagesordnung bei, damit alle wissen, was sie erwartet.
Sende eine Nachricht im Gruppenchat deines Teams, in der du den Plan zusammenfasst, und bitte um einen Freiwilligen für die Moderation. (Du kannst auch jemanden vorschlagen, der gerne Gespräche leitet und auf die Zeit achtet.)
Wenn ihr euch persönlich trefft, bereite den Raum vor:
- Zeichne einen großen Eisberg auf ein Whiteboard oder Flipchart.
- Unterteile den Eisberg in drei Ebenen und beschrifte diese: sichtbare Kultur, unsichtbare Kultur und tiefe Kultur.
Stelle Notizzettel und Stifte bereit, damit jeder seine eigenen Ideen aufschreiben kann.
Wenn ihr euch virtuell trefft:
- Erstelle ein digitales Whiteboard, beispielsweise ein Confluence-Whiteboard, und zeichne darauf den Eisberg mit den drei oben beschriebenen Ebenen.
- Stelle sicher, dass alle Teilnehmer Bearbeitungszugriff haben und wissen, wo sie ihre Ideen hinzufügen können.
Teamkultur-Eisberg
Tipp: Nicht aufzeichnen oder transkribieren
Wenn du die Besprechung remote abhältst, zeichne sie nicht auf und verwende kein KI-Notizentool. Dadurch kannst du ein psychologisch sichereres Umfeld schaffen.
2. Einführung
Geschätzte Dauer: 10 Minuten
Der Moderator eröffnet die Besprechung und erklärt, dass es darum geht, eine stärkere Vertrauenskultur aufzubauen, indem man gemeinsam herausfindet, wie das Team arbeitet, kommuniziert und Entscheidungen trifft. Betone, dass es um Erkenntnisse und Verbesserung geht, nicht um Schuldzuweisungen.
Gehe dann die drei Ebenen des Eisbergs durch und nenne ein paar Beispiele:
- Sichtbare Kultur ist das, was man einfach erkennen kann: Besprechungen und Rituale, Muster der Zusammenarbeit, wie Feedback ausgetauscht wird, welche Kommunikationskanäle genutzt werden und wie Entscheidungen bekannt gegeben werden
- Unsichtbare Kultur ist das, was man spürt: die Einstellungen zu Risiken und Misserfolgen, wie sicher sich Menschen fühlen, wenn sie ihre Meinung sagen, wie mit Konflikten umgegangen wird und wer sich einbezogen oder ausgeschlossen fühlt
Tiefe Kultur ist das, was alles andere bestimmt: Grundüberzeugungen und Werte darüber, was "gut" ist, was belohnt wird, was als dringend oder wichtig gilt und wie man Erfolg definiert
Ermutige das Team, eine neugierige und offene Haltung einzunehmen. In dieser Besprechung wird von positiven Absichten ausgegangen, es wird aufmerksam zugehört und der Fokus liegt auf der allgemeinen Arbeitsweise und nicht auf einzelnen Persönlichkeiten.
Die drei Ebenen des Teamkultur-Eisbergs
3. Euren Teamkultur-Eisberg abbilden
Geschätzte Dauer: 25 Minuten
Als Nächstes stellst du einen Timer auf 10 Minuten ein und bittest alle, über ihre tatsächlichen Erfahrungen in diesem Team in den letzten Monaten nachzudenken. Bitte sie, für jede Ebene eigene Beispiele zu sammeln:
- Was sie gesehen haben (sichtbare Kultur)
- Was sie gefühlt oder vermutet haben (unsichtbare Kultur)
Welche Überzeugungen oder Werte darunter liegen (tiefe Kultur)
Jeder kann eine Idee auf einen Notizzettel schreiben und ihn auf der passenden Ebene des Eisbergs am Whiteboard anbringen. Ermutige alle, offen und konkret zu sein. "Unsere Stand-ups dauern immer zu lange, weil wir Probleme sofort lösen möchten" ist aussagekräftiger als "Besprechungen sind chaotisch."
Wenn alle mit ihrem individuellen Brainstorming fertig sind, liest ihr die Notizen laut vor und fasst sie nach Themen zu Gruppen zusammen.
Ideen zum Eisberg hinzufügen
Tipp: Nutze KI für Gruppierungen und Bezeichnungen
KI kann dabei helfen, ähnliche Elemente zu gruppieren und die Bezeichnungen der einzelnen Cluster zu präzisieren (z. B. "Entscheidungsfindung", "Feedback", "Zugehörigkeit" usw.).
4. Besprechen, was Vertrauen schafft – oder schwächt
Geschätzte Dauer: 15 Min.
Betrachte den gesamten Eisberg und stelle dem Team Fragen wie:
- "Welche Themen seht ihr auf allen Ebenen?"
- "Überrascht euch etwas am Eisberg oder muss etwas näher erläutert werden?"
- "Welche Aspekte unserer Kultur schaffen Vertrauen?"
"Wo könnten unsere derzeitigen Gewohnheiten unbeabsichtigt das Vertrauen schwächen?"
Notiert wichtige Überlegungen in der Nähe des Teils des Eisbergs, über den ihr gerade sprecht.
Sprecht als Nächstes darüber, was ihr beibehalten, ändern und ausprobieren möchtet:
- Beibehalten: "Welche bestehenden Normen oder Rituale unterstützen ganz klar eine Vertrauenskultur?"
- Ändern: "Welche Verhaltensweisen oder Gewohnheiten möchten wir ändern?"
Ausprobieren: "Welche neuen Verhaltensweisen, Experimente oder Rituale sollten wir testen?"
Versuche, eine kleine Auswahl konkreter, beobachtbarer Änderungen festzulegen (z. B. "Vor wichtigen Entscheidungen auch kritische Meinungen einholen" oder "Retrospektiven mit einer konkreten vertrauensbildenden Maßnahme abschließen, die im nächsten Sprint ausprobiert werden soll").
5. Die nächsten Schritte angehen
Geschätzte Dauer: 10 Minuten
Wähle zu guter Letzt ein paar konkrete Maßnahmen aus und entscheidet als Gruppe, wie ihr euch gegenseitig in die Verantwortung nehmt.
Erstelle ein gemeinsames Dokument, wie eine Confluence-Seite, mit folgenden Inhalten:
- 3–5 vertrauensbildende Praktiken, die du verstärken möchtest
- 2–3 Änderungen, mit denen du in den nächsten 4–6 Wochen experimentieren wirst
-
Signale, auf die du achten wirst, um zu erkennen, ob sich das Vertrauen verbessert (z. B. mehr Personen, die sich in Meetings zu Wort melden, schnellere Identifizierung von Risiken, direkteres Feedback)
Für jede Aktion sollte Folgendes festgelegt werden:
- Ein eindeutiger Verantwortlicher (auch wenn die Aufgaben geteilt werden)
- Ein Zieldatum oder Check-in-Zeitfenster
- Ein Tool, in dem der Fortschritt verfolgt wird (wie ein Jira- oder Trello-Board)
Nachbereitung
Nicht auf Eis legen
Betrachte dies weniger als einmaligen Workshop und mehr als Beginn einer fortlaufenden Unterhaltung über die Teamkultur. Lege eine Follow-up-Sitzung fest, um den Eisberg und eure Vereinbarungen als Gruppe noch einmal durchzugehen.
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